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Wort zum Sonntag

Ein Teilleben im Web

Heute will ich nur einmal auf Youtube zu sprechen kommen. Nur ein kleiner Teil unserers globalen sich in photo und textdokumentierndem Lebens im World Wide Web. Die Energie, die wir aufwenden, um uns darzustellen, ist unerschöpflich.
Ideenreich und bemüht sind die Versuche andere für unser Leben zu interessieren, die wir entweder persönlich kennen oder am anderen Ende der Big Blue Kugel sind. Und wenn man sich die Videos auf der Tubesite anschaut, bemerkt man schnell, dass die die am Besten ankommen so wirken als wären sie aus einer gewissen Spontanität, Natürlichkeit und Amateurhaftigkeit entstanden. Teilweise völlig ohne wirkliche Handlung oder Sinn.
Also, was lässt uns das Leben anderer oder dieses Fitzelchen einer Existenz so spannend vorkommen, dass wir Stunden zubringen, um alles zu durchforsten? Ist unser eigenes Leben am Ende oder besser gesagt mittendrin denn so fad oder einfach nicht abwechslungsreich genug? Fühlen wir uns dann wie eine große globale Klasse, wenn wir Aufnahmen aus Tokio, Melbourne oder Sevilla ansehen?
So eine weltweite Kongruenz, dass wir uns alle für ähnliche Dinge interessieren? Das ist für eine begrenzte Stundeanzahl pro Woche und bestimmte Videos auch vertretbar, aber es gibt auch nicht verständliche Pänomene.


Ein Beispiel: es gibt das Boxxy-Phänomen. Und wirklich, ich will den Hype wirklich nicht anheizen, aber es ist so ein gutes Beispiel. Also bitte nicht gleich die Videos rauf und runterluggen gehen.
Kurze Erklärung für die Glücklichen, die´s nicht kennen: ein recht hübsches Mädchen im Teenageralter, die ein bisschen mehr Kajal als nötig kleben hat und ein wenig überdreht ist, grüßt ihre Freunde ein wenig zu lang über eben ein Video über die Videoplattform. Wenn ich nicht wüsste, wie gehypt das ganze war oder ist, hätte ich nach den ersten 10 Sekunden auf Stop gedrückt und mir dat gar nischt mal fertig angeschaut.
Es gibt nun schon zig Love - and Hatevideos, was die Sache so lächerlich und irgendwie erschreckend macht, weil es anscheinend dutzende Menschen gibt, die einer relativ contentlosen Nachricht eine Energie geben, weil sie darauf reagieren. Also, was bringt Menschend dazu, sich dann mit Videoantworten abzumühen? Gibt es nichts gescheiteres, was sie mit ihrer Zeit machen können? Familie, Freunde, was nützliches erfinden?

Hat vielleicht jemand eine Antwort, die plausibel ist, warum ein Großteil von uns Menschen nunmehr die virtuelle Welt der Realen vorzieht und sich in ihr vergisst? Warum man Videos online stellt, wo man gerade die grüßt, die man auch so treffen könnte und das dann für die ganze Welt zu sehen sein muss? Sind wir im Grunde nur ExhibitionistInnen, die sich hinter einer neuen Form der Selbstdarstellung verstecken?
Was stellen wir heute dar? 1. Advent.

I.v.Sp.

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