Samstag

Wort zum Sonntag


Liebe Fashionistas,
es ist bereits Sonntag [00:01 Mitteleuropäische Zeit] und ich sitze gerade mit meinem Tee und dem Laptop auf dem Bett und gehe drei verschiedene Fashion Magazine durch – Elle, Vogue und Cosmopolitan - auf der Suche nach Inspiration. Nach dem Kuss einer Muse, quasi. Und während ich da so blättere und Werbung um Werbung ansehe, frage ich mich, wie es wohl wäre, wenn Mode nicht existieren würde, wenn sie ausgestorben wäre oder einfach nicht vorhanden, jedenfalls nicht so ausgeprägt und unglaublich fortschrittlich entwickelt, wie wir sie alle kennen… und irgendwie wird mir dann doch klar, dass wir, die Menschen in der Modeszene [und alle um sie herum natürlich auch] an einen Punkt gelangen, in welchem es kritisch wird, weil vieles verloren geht, was Fashionistas - wie ich einer bin - für selbstverständlich hielten.


Während es bei einigen Labels und Designern mehr als voran geht, gibt es um andere momentan mehr Zeitungsberichte als jemals zuvor. Die aktuellste Weltwirtschaftskrise hat ihren Tribut gezollt und dafür gesorgt, dass die bekanntesten und einst unter den beliebtesten gelisteten Labels Insolvenz anmelden mussten, oder gar ihre Türen für immer schließen – die zwei besten Beispiele sind wohl Escada, das Münchner Traditionslabel und der Inbegriff eleganter Couture, und Christian Lacroix, dessen Kleider die Vorstellungen an Perfektion oftmals überstiegen. Und gerade weil diese zwei wahnsinnig bekannten und großen Brands ihrem Ende entgegensehen, fragt sich manche und mancher, wie es sein kann, dass andere Designer der hochpreisigen Kategorien dennoch weiterhin keine roten, sondern verdammt schwarze Zahlen schreiben und der Krise anscheinend nicht so entgegenarbeiten müssen, wie ihre KollegInnen!?


Nun, dafür gibt es mehr oder weniger logische und sehr schlüssige Erklärungen, welcher ich mir jetzt bediene, um diesen Unterschied zwischen den einzelnen Modehäusern ein weniger klarer und strukturierter erscheinen zu lassen.
Marken wie Louis Vuitton, Gucci, Chanel, Hermès und Christian Dior finanzieren sich lange nicht mehr durch ihre Mode, die aufwendig hergestellt und noch aufwendiger bei Shows dargestellt wird, vielmehr geht es bei diesen Labels um die Erhaltung der Tradition und ganz wichtig, der Finanzierung ihrer Konsumenten in Wertgegenstände, die als Wertanlage fungieren, darum nennt man vor allem Taschen die auch als It-Bags bezeichnet werden, in der Modeszene mittlerweile Investment-Bags, weil die Investition in ein solches Utensil sicherer und stetiger als Aktienkurs ist. Diese Labels erhalten sich durch den Verkauf der Taschen und teilweise vor allem durch ein sehr klares Statement der Exklusivität, wie es Hermès wohl als bestes Beispiel präsentiert – der Birkin Bag.                                                                                                                                                              Eine DER absolut klassischsten und zeitlosesten Taschen die je kreiert wurden, um zum Fashion-Must-Have zu lancieren. Durch ihre ein- bis dreijährige Warteliste ist die Birkin Bag zu den wohl exklusivsten aller It-Bags gewachsen und befindet sich preislich in einer Kategorie, die um die vier bis fünf Monatsgehältern einer Krankenschwester entspricht.


Auch Labels die in der Kosmetikindustrie Fuß fassen, können sich am Leben erhalten, weil das Streben nach Perfektion einiger Menschen niemals aufhören wird und die menschliche Natur nach Schönheit sucht und versucht sie so lange wie möglich zu halten, die eigene Betrachtungsweise der des Schönen zu erfüllen. Makeup und Parfüms werden nie aus der Mode kommen, weil diese Utensilien zeitlose Geschöpfe der Modeindustrie sind, auf die fast jeder Mensch zurückgreift.
Haute Couture mag schön und magisch sein, aber sie erhält ein Label nicht am Leben, sie bringt kein Geld, wenn es doch nur noch 80 Frauen weltweit gibt, die Kleider dieser stilistischen Interpretation der Mode kaufen.


In diesen Jahren und zu diesen Zeiten lebt die Modeindustrie entweder durch Wertanlagen, die die Exklusivität und Langlebigkeit anderer übersteigen, oder sie bedient sich dem einfachsten Prinzip der menschlichen Hygiene und verwendet die Kosmetikindustrie für ihre Selbsterhaltungszweck. Mode ist wandelbar und wer sich nicht mit ihr nicht weiterentwickelt und verändert ohne dabei die Tradition außer Acht zu lassen, wird in dieser extrem harten Gesellschaft kaum bis gar nicht überleben … In diesem Sinne, einen wunderschönen Sonntag und long live Fashion!


XOXO
Robert Schermann/Mr.StrictlyIntimate

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