Sonntag

Wort zum Sonntag


Verehrte Damen und Herren!

Erlauben Sie mir, Sie alle auf das Herzlichste im Rahmen des – im Englischen, das ja mittlerweile das Deutsche zu ersetzen scheint – als solches bezeichneten „RELAUNCH“ des Ihnen vermutlich bekannten Internettagebuchs, willkommen zu heißen!

Nun, was hat sich seit unserer letzten zeitlich versetzten und deshalb streng genommen nicht als solche zu bezeichnenden „Zusammenkunft“ verändert? Die Antwort fällt – wenigstens von meiner Seite – relativ ernüchternd aus: es hat sich nichts verändert.

Nun werden Sie natürlich, die an dieser Stelle mehr als berechtigte Frage stellen, wozu denn dann ein „relaunch“ - wörtlich übersetzt also eine Art von „Wieder-Start“ - notwendig sei?

Meiner Meinung nach ist der Begriff in dem von mir angedeuteten Zusammenhang ein falsch gebrauchter: denn wenn etwas neu gestartet wird, bedeutet dies keineswegs, dass sich dabei die Form, der Inhalt oder sonst irgendetwas an dem Gegenstand des Neustartes ändert.

Es sollte doch eher der Start – also der „launch“ - von etwas gänzlich Neuem sein, der gewürdigt und vielleicht auch gefeiert wird!

Aber zurück beziehungsweise hin zum Thema der Erneuerung an sich: Da  sich auf dieser Internetseite ja vieles rund um Mode und Modeerscheinungen im weitesten Sinne dreht, soll im Zuge dieser kleinen Abhandlung die gerade erwähnte Erneuerung im Kontext dessen beleuchtet werden, was Leute tun, um „modisch“ und damit gesellschaftlich akzeptiert zu sein.

Zunächst wäre da einmal die  ungelenkte und höchst unsinnige Wahnvorstellung, möglichst viel an textilen Ressourcen zu erwerben und zu besitzen – selbstverständlich nur für einen kurzen Zeitraum; „die Mode“ ändert sich ja schließlich rasant – und sich damit jeder wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Situation schnellstmöglich anzupassen und in der anonymen Masse der anzugtragenden, ballkleiderzurschaustellenden Herren und Damen auf das Unauffälligste zu versinken.

Wertes Publikum: Mode definiert den „gesellschaftlichen Stand“ und damit folglich auch alles, was man gemeinhin als „Gesellschaft“ bezeichnen mag.

Und dies ist keineswegs eine Erscheinung des 21. Jahrhunderts, ist doch schon in Goethes Faust (der immerhin bereits im Jahre 1808 erschien) von Mephisto „gekleidet wie ein fahrender Scholastikus“ die Rede.
Anknüpfend an dieses kleine Zitat, kommt man zu dem interessanten Schluss, dass das „Böse“ - beziehungsweise im Falle des Zitates „ein Teil von jener Kraft die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ - in einer Art Verkleidung auftritt und sich als etwas definiert, was es nicht ist!

Definiert also Mode, Bekleidung ihren Träger als etwas, das er nicht ist? Definiert sie ihn als etwas, dass er zu sein vorgibt?
Oder definiert sich Mode selbst als etwas anderes, als sie tatsächlich ist?
So werden doch die wenigsten Künstler im Bereich der Mode behaupten, ein Kunstwerk zu schaffen, das lediglich der Maskierung ihrer Träger dient.

Aber nach und nach kommen wir vom eigentlichen Thema – nämlich dem der Neuerfindung, der Erneuerung - ab:
Werte Leser und Leserinnen meiner Zeichen, kehren Sie mit mir noch einmal an den Ausgangspunkt unserer Ausführungen zurück:
Kann etwas – was es auch immer sei – neu gestartet werden und von sich behaupten, etwas gänzlich neues zu sein?
Spricht man heutzutage eher von der Erfindung oder vom „Relaunch“ des Buchdrucks, von der Erfindung oder vom „Relaunch“ der Dampfmaschine?

Wie Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, können Sie sich diese Frage mit spielerischer Leichtigkeit selbst beantworten.

Alles, was heutzutage den Status einer bahnbrechenden Neuerung für sich beansprucht, und gleichzeitig Gefahr läuft, als nutzlos beziehungsweise als „von geringer Relevanz“ deklariert zu werden, wird immer wieder gerne mit dem Attribut „Relaunch“ geschmückt!

„Strike another match, go start a new
And it's all over now, Baby Blue.“


Ich wünsche Ihnen allen noch einen schönen Sonntag und verbleibe mit freundlichen Grüßen!

Stefan Baranek

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